
In vielen Köpfen besteht leider immer noch die Illusion des einen Bildes eines Grafikdesigners: Er ist ein Künstler, der so in den Tag hineinlebt, coolen Output generiert, sich von Pizza und Kaffee ernährt und sein privilegiertes Dasein mit spassiger Arbeit versüsst. Das könnte man auch meinen, schaut man sich die viele tolle Grafiksoftware auf dem Markt an. Grafik ist heute nicht mehr nur Fachpersonen mit langjähriger Ausbildung zugänglich. Vieles kann mit einigen mehr oder weniger überlegten Klicks in zahlreichen Gratisprogrammen erledigt werden und eine Menge Menschen fragen sich gar, für was sie eigentlich einen Grafiker brauchen. Das ist doch alles so einfach und schnell erstellt. Die Gratis-Mentalität hat in der Branche durch das Internet und die immer leistungsfähigeren Computer und vorinstallierten Programmen enormen Zuwachs erhalten. Was rechtfertigt denn die Arbeit eines Grafikers? Es ist die lange Lehrzeit, die man als kreativ-Schaffender durchläuft, die Auseinandersetzung mit Formen, Farben, Nuancen, Gestalten, Körperlichkeit, Gegensätzen; die Entwicklungs- und Reifeprozesse in einem Auftrag für einen Kunden, der seine Ideen und Wünsche in seiner einzigartigen Form umgesetzt haben möchte und die interdisziplinären sowie iterativen Prozesse in einem Projekt. Viele Grafiker setzen sich auch in ihrer Freizeit ausgiebig mit diversen Themen der Branche auseinander, um auf dem Markt zu bestehen und sich ständig weiterzubilden.
Design ist allgegenwärtig, nicht mehr wegzudenken und erscheint in unzähligen Formen von unscheinbar zurückhaltend bis auffällig pointiert. Die Zielgruppe will in diesem reizüberfluteten Impulsdschungel nach ihrem Gusto verführt werden. Gute Gestaltung erfordert unheimliches Fingerspitzengefühl für die Thematik, das Produkteziel, den Kunden und die Zielgruppe. Sind diese Dinge nicht sensibel durchdacht, schiesst man am Ziel vorbei und hat keinen Erfolg. Unsere Arbeit hat also sehr viel mit strukturierter und konzeptioneller Arbeit zu tun, viel Fachwissen von Gestalt, Form und Farbe, viel Ehrgeiz, sich für einen Auftrag einzufühlen und dranzubleiben, bis er fertig gestellt ist. Dies bedeutet manchmal, sehr lange an etwas zu arbeiten oder sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. Jetzt kommen wir dem Berufsbild eines Grafikdesigners langsam näher. Viele Aussagen, die an meine Ohren gelangt sind, reflektieren das Endprodukt eines Erscheinungsbildes. „Das hätte ich jetzt also auch noch machen können“. Es ist immer einfach, am Ende getaner Fremdarbeit sich über Diese so nüchtern zu äussern. Doch wer schon einmal in der Situation war, aus dem Nichts etwas zu erschaffen, das eine nachhaltige oder eindeutige und auf das Ziel zugeschnittene Form erhalten soll, weiss, wieviel Arbeit das bedeuten kann. Gutes Design braucht eine Entwicklung, eine Auseinandersetzung, wie der Käse, der den Reifeprozess durchgehen muss. Diese Entwicklung schlägt sich in Zeit nieder und Zeit ist auch in der Grafik Geld. Dennoch gibt es bedauerlicherweise immer wieder Designer, die für Hungerlöhne arbeiten und zudem die Nutzungsrechte an ihrem Design zu Niedrigpreisen verschleudern. Sobald sich die zu erwartenden Stundensätze unter gewissen Mindesteinnahmen bewegen, fällt die dafür zu tätigende Aufgabe zwangsläufig unter Liebhaberei, die definitiv nichts mit professionellem Arbeiten zu tun hat [1]. Im Blog der Süddeutschen Zeitung ist ein sehr interessanter Artikel über die Designer-Auftrags-Portale wie beispielsweise http://www.designenlassen.de und http://www.12designer.de , die vorgeben, Auftraggeber und Kreative unter für beide Seiten zufrieden stellenden Bedingungen zusammen bringen. Tatsächlich verdingen sich diese Vermittlungsportale nur als Helfershelfer für eine professionell durchgeführte Diskreditierung geistigen Eigentums und schöpferischer Leistung [1]. Unter Berücksichtigung aller Firmenkosten kann kein Designer 8 Stunden an einem Logo verbringen, für das der Kunde nur CHF 300.- bezahlen möchte. Da arbeitet man gratis oder legt sogar eher noch drauf.
Unternehmensberater sind Kalkulationsprofis und für Statistiken und Kostenpläne zuständig, bringen aber sonst nur Exceltabellen, Powerpointfolien, große Worte und hohe Honorare hervor, um dann doch Designer mit der eigentlichen Aufgabe, der Gestaltung bzw. Neuerfindung der Identität eines Unternehmens, eines Produktes oder einer Dienstleistung zu beauftragen. Anschließend sind es auch die Designer, die die Werbung entwickeln und so ein Image erst möglich machen und auch für die Zukunft prägen. Der Designer ist von der Analyse, über die Gestaltung und Umsetzung bis hin zur Übermittlung der Produktvorzüge entscheidend am Erfolg eines Produktes oder einer Dienstleistung beteiligt, weshalb sich seine umfassende und folgenschwere Tätigkeit auch nicht mit Dienstleistung, sondern ausschließlich mit den Begriffen Unternehmensberatung, Konzeption und Kreation bezeichnen lässt. Es geht nicht darum, einfach nur per Knopfdruck ein Abbild zu schaffen, um auf diese Weise etwas bereits Vorhandenes ein bisschen anders wiederzugeben. Ein Designer entwickelt etwas von Grund auf neu und dies erwarten auch selbst jene Auftraggeber, die zwar um die Notwendigkeit und Bedeutung von Design für die eigene Umsatzsteigerungsmöglichkeit wissen, diese Wertmaximierung durch Design aber den Designern nicht honorieren möchten. Sie selber wollen ernst genommen werden, erwarten, dass ihr Unternehmen durch das Design an Seriosität und Ernsthaftigkeit zunimmt und wollen mit dem Design ihren Erfolg und Umsatz mehren. Nur die Designer, die ihnen das neue Image erst verschafft haben, die wollen sie nicht ernst nehmen, sondern sie verachten und – bildhaft gesprochen – mit Füssen treten. Anders ist diese Haltung gegenüber den Designern nicht zu erklären.
- Interfacedesign
Vielen Dank an den anonymen Autor interfacedesign und mit herzlichster Anteilnahme!
Euer Patric Simon
Quellenverzeichnis:
[1] „Vom Gestalten und designenlassen – welche Portale, Vermittlungen und Aufträge für Designer nie zum Erfolg führen können.“ Autor Interfacedesign, aufgerufen am 20.07.2010 von http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/475974

